Weiter geht die Reise in den Norden. Heute wird das Posting wohl etwas länger…
Auf der Strecke Bergen-Kirkenes-Bergen (die gesamte Reise dauert 12 Tage) läuft das Schiff insgesamt 34 Häfen an, an denen man an Land gehen kann. Mancher Aufenthalt gestaltet sich allerdings ziemlich kurz, denn die Liegezeit beträgt zwischen 15 Minuten und mehreren Stunden. Die Schiffe auf der Postschiffroute fahren seit 1893 und sind nach wie vor eine wichtige Verbindung zwischen Häfen, aber auch entlegenen Orten und kleinen Dörfern. Sie befördern Fracht und Reisende und für die Norweger sind sie ein ganz normales Verkehrsmittel an der über 2.400 km langen Küste, wie hierzulande Bus und Bahn. Die Hurtigrute ist dort Teil des täglichen Lebens.
 
Hjorundfjord – ein wunderschöner Fjord, in dem die Weiden und Wiesen bis ans Wasser reichen.
Das ist die Heimat der Trolle… Gesehen haben wir keinen.
Winkende Menschen im Meer
Neptun fängt an, im Meer herum zu rühren…
Könnt Ihr Euch bei den schönen Fotos vorstellen, dass es einen Zeitpunkt gab, an dem ich die Reise am liebsten abgebrochen hätte? Nein? War aber so. Dass es auf der Tour mal weniger, mal mehr schaukeln würde, wußten wir ja. Auch, dass es gerade oben in der Barentsee auch höheren Wellengang geben könnte. Was wir aber weder wußten und auch nicht im entferntesten ahnten war, dass Neptun hoch im Norden nach dem Nordkap seine Wangen zu einem Orkan mit Windstärke 12 (!!!) aufpusten würde! Ganz nebenbei: Ich bin nicht besonders seefest, hatte mich aber vorsichtshalber mit Medikamenten und Seabands eingedeckt, sicher ist sicher…
Nachdem wir die Nordkapinsel hinter uns gelassen hatten, kam die Durchsage, dass wir in ein Schlechtwettergebiet fahren und nachts mit erheblichem Seegang zu rechnen ist. Das Betreten der Außendecks wurde untersagt.
Na schön, wir hatten uns ja gerade von der vergangenen Nacht erholt, da ging es teilweise schon recht heftig zu. Wellenberge rauschten am Kabinenfenster vorbei, eigentlich hätte man den Fischen „hallo“ sagen können… Schon am Abend waren in der Cafeteria Gläser umgekippt und Tabletts aus den Regalen gefallen. Aber das war nichts gegen das, was uns erwartete…
Im Liegen war es noch halbwegs zu ertragen, soweit man vom Liegen überhaupt reden konnte. Die Riesenwellen hoben einen gefühlte zwei Meter aus dem Bett und dann sauste man auf die Matratze zurück, während ringsherum in der Kabine alles, was nicht niet- und nagelfest war, durch die Gegend rutschte. Das Schiff ächzte und stöhnte, es knallte und knarrte, dass man denken konnte, es würde jeden Moment auseinander brechen (wir waren auf einem der großen Schiffe mit Stabilisatoren – ich möchte gar nicht wissen, was auf den kleinen Schiffen abgegangen sein muss…). Irgendwie brachten wir die Nacht hinter uns.
Dieses Bild mit den meterhohen Brechern und tiefen Wellentälern wird unvergesslich bleiben! Aber wir haben es überlebt, wie Ihr seht! 
Am nächsten Tag steckte eine „Orkan-Urkunde“ mit der Bestätigung des Kapitäns an unserer Kabinentür, dass wir Windstärke 12 gehabt hatten. 
Jetzt im Nachhinein war das wirklich ein Erlebnis der besonderen Art, aber noch mal muss ich das nicht haben! Einmal reicht! Zu meinem großen Erstaunen hat uns dieser Sturm die Freude an einer Hurtigrutenreise nur kurzfristig genommen. Ich jedenfalls wollte am anderen Tag nie mehr einen Fuß auf ein Schiff setzen, während Herr Glasperlengarten meinte, soooo schlimm wäre es doch gar nicht gewesen… Es war eine unvergessliche Tour und ja, ich würde wieder fahren!
PS: Von unserem Orkanerlebniss gibt es natürlich keine Bilder! Wie Ihr wisst, war ich zu dem Zeitpunkt genügend geschüttelt, durcheinandergerührt und quasi „knockout“…
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