Vorgestern war kein guter Tag für uns. Unsere Nerven lagen blank. Dabei fing alles so gut an. Ich machte mich morgens auf den Weg, um Mutter Glasperlengarten zu besuchen. Gegen Mittag rief Herr Glasperlengarten an und verkündete mit schon sorgenvoller Stimme, dass er die Nervensäge seit meiner Abfahrt nicht mehr gesehen hätte und dass der kleine Kater auch zu der sonst üblichen Zwischenmahlzeit nicht gekommen wäre. Das alleine war schon höchst ungewöhnlich. Dazu hatten wir ja auch noch bescheidenes Wetter, denn es regnete bereits den dritten Tag ununterbrochen und normalerweise setzt Knöpfchen dann nur kurz seine Pfoten vor die Tür, dreht eine kleine Runde ums Haus, um es sich dann für Stunden irgendwo drinnen gemütlich zu machen und darauf zu warten, dass das viele Nass endlich verschwindet.

Nun ebenfalls beunruhigt, bekämpfte ich die aufkommende Sorge damit, dass der kleine Kater irgendwo an einer halbwegs noch trockenen Stelle im Garten Unterschlupf gesucht hat und spätestens zu seiner Mittagsmahlzeit auftauchen würde. Der nächste Anruf eine Stunde später ließ mich dann noch beunruhigter zurück, denn kleiner Kater war immer noch nicht da… Die Sorge wuchs, dass etwas passiert war, denn so lange blieb er nie weg.

Am Spätnachmittag fuhr ich voller Unruhe zurück. Herr Glasperlengarten hatte inzwischen die gesamte Umgebung abgesucht. Nichts, keine Spur von Knöpfchen, niemand hatte ihn gesehen, an seinen Liieblingsplätzen war er auch nicht. Langsam machte sich Panik breit, zumal wir auch nicht mehr wußten, wo wir noch suchen sollten und eine Nachbarin erzählte, es wären in unserer Gegend Tierfänger unterwegs…

Unzählige Male lief ich mit der Trockenfutterdose klappernd durch den Garten. Inzwischen wurde es dunkel, keine Spur von Knöpfchen. Die einzige Hoffnung, die wir hatten: Vielleicht ist er unbemerkt hinter dem gegenüber wohnenden Kater Toni hergelaufen und wurde versehentlich eingesperrt. Das war der Strohhalm, an dem wir uns hochzogen. Nur, der Dosenöffner von Toni hatte ausgerechnet an diesem Tag Spätdienst, würde also erst nachts zurückkommen. Die nette Nachbarin von gegenüber ließ uns ins Haus, damit wir einen Zettel an seiner Wohnung anbringen konnten. Ich rief an der Tür nach Knöpfchen in der Hoffnung, dass dieser sich vielleicht bemerkbar machen würde. Nichts. Das bisschen Hoffnung, das wir noch hatten, verschwand immer mehr. Auf einmal hörte Herr Glasperlengarten eine leise Katzenstimme, während ich mich schon umgedreht hatte, um niedergeschlagen nach Hause zu gehen. Dann hörte ich sie auch, ein jämmerliches Stimmchen, aber die gehörte eindeutig und zweifelsfrei der kleinen Nervensäge, kam aber nicht aus der Wohnung! Als wir noch einmal riefen, wurde die verzweifelte Stimme etwas lauter. Zum Glück war der angrenzende Kellerraum, aus dessen Richtung das Miauen kam, frei zugänglich. Nach weiterem Rufen kamen zuerst das kleine Näschen und dann zwei kugelrunde und weit aufgerissene Augen mit ängstlichem Blick unter einem alten Sessel zum Vorschein, der dort im Keller in einer Ecke stand. Die riesengroße Freude auf beiden Seiten und welcher Stein uns vom Herzen fiel, könnt Ihr Euch sicherlich vorstellen… Kleiner Kater fing zuerst leise an zu schnurren und wurde dann immer lauter. Erleichterung pur stand in seinem kleinen Katergesicht geschrieben!

Gestern wirkte der Schock des Erlebten noch nach (nicht nur beim kleinen Kater…). Er verkroch sich auf meinem Sessel und verschlief den ganzen Tag. Sein Futter schmeckte ihm auch nicht richtig. Abends wurde er endlich munterer. Mitten in der Nacht weckte er mich, und ich durfte/musste ihn bekuscheln. Sein glückliches Schnurren wurde so laut, dass ich schon befürchtete, die übrigen Mitbewohner würden auch noch wach :-). Heute bei dem schönen Wetter ist er nun wieder draußen im Garten, hält sich aber immer in unserer Nähe auf und verlässt kaum das Grundstück. Wäre beruhigend, wenn er das beibehalten würde, aber das wird ein Wunsch bleiben, fürchte ich. Jedenfalls sind wir alle mehr als froh über den glücklichen Ausgang des Knöpfchen-Abenteuers und auch Sir Henrys durcheinandergeschüttelte Katerwelt ist nun wieder in Ordnung, der war an dem Such-Abend auch ein bisschen neben der Spur und man merkte, dass er genau wußte, das irgendwas nicht stimmte.

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