Hallo, ich bin´s, die kleine Nervensäge. Dosine hat gemeint, es wäre an der Zeit und nötig, dass ich mich persönlich zu Wort melde und Euch sage, dass es mir gut geht.

Himmel, war das hier bei uns eine Aufregung! Dabei war ich mal wieder völlig unschuldig, denn ich konnte doch nichts dafür, dass irgendein Depp hinter mir die Haustür im Nachbarhaus ins Schloss fallen ließ und ich somit in der Falle saß.

Meinen Dosenöffnern habe ich vorsichtshalber nichts davon erzählt, welche Angst ich stundenlang ausgestanden habe. Die behaupten zwar das gleiche von sich, aber das kann nicht stimmen, denn warum sollten sie Angst gehabt haben? Ich war doch derjenige, der in der Falle saß und eingesperrt war! Und dann all die fremden Stimmen im Haus und ein kläffender Hund, von dem ich weiß, dass der weder mich noch andere meiner Artgenossen mag! Ich wollte nur noch raus und weg nach Hause. Aber genau das ging nicht. Ich kann ja schon so einiges, aber geschlossene Türe kann selbst ich nicht öffnen. Die erste Zeit war ich ja noch frohen Mutes, dass ich bald wieder zuhause sein würde. Das entpuppte sich allerdings als Wunschdenken. Kater Toni konnte mir auch nicht helfen, denn der saß ja selbst eingesperrt in seiner Wohnung und sein Dosenöffner war weg, der musste arbeiten. Ich zerbrach mir meinen Katerkopf, wie ich nach Hause kommen kann, denn es wurde Zeit für mein Mittagessen und außerdem wußte ich, dass meine Menschen sich bestimmt Sorgen machen würden, wenn ich mich so lange nicht bei ihnen blicken ließ.

Als ich mich gerade dazu entschlossen hatte, mich irgendwo in Nähe der Haustür zu verstecken und in einem unbeobachteten Moment raus zu flitzen, wenn jemand die Tür öffnete, hörte ich schon wieder mir völlig unbekannte Stimmen und lautes Fußgetrappel, das immer näher kam. Schleunigst habe ich mein Heil in der Flucht gesucht und mich unter einem alten Sessel im Keller versteckt. Dort haben mich meine Dosenöffner nach unendlichen Stunden mitten in der Nacht ja dann auch gefunden. Meine Güte war ich froh sie zu sehen! Ich bin sofort auf Dosines Arm gehopst und sie hat mich dann nach Hause getragen. Der sorgenvoll dreinblickende Sir Henry saß schon an der Haustür und man konnte sehen, wie bei meinem Anblick auch ihm ein dicker Stein vom Katerherzchen fiel. So freudig begrüßt hat der mich noch nie! Ich war so erledigt von der ganzen Aufregung und Angst, dass ich nur noch eine Winzigkeit gefressen habe. Dann wollte ich nur noch schlafen. Mitten in der Nacht musste ich unbedingt Dosine wecken, weil ich so froh war, dass ich wieder zu Hause war. Ich hab so laut geschnurrt, bis sie wach wurde und dann musste sie mit mir kuscheln. Ich hatte Glück, dass sie wegen der nächtlichen Weckaktion nicht sauer war, aber sie war ja heilfroh, dass ich wieder da war- von mir gar nicht erst zu reden…

Den ganzen nächsten Tag habe ich keine Pfote vor die Tür gesetzt, der Schreck saß mir noch zu tief in meinen Katerknochen, aber das habe ich gegenüber meinen Dosenöffnern natürlich nicht zugegeben. Die sollten schließlich nicht denken, ihre kleine Nervensäge wäre ein Angsthase. Mein Appetit ist inzwischen auch wieder da. Ich muss jetzt aufhören, muss nämlich unbedingt in die Küche und nachsehen, welch feiner Duft dort aus dem Kochtopf weht! Hunger!

Wenn Sir Henry und ich gespeist haben, gehen wir raus in den Garten, den Frühling genießen. Das solltet Ihr auch tun.

 

 

 

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