Von Tag zu Tag

sollte man leben und nicht lange im Voraus planen. Denn meistens kommt es anders als man denkt. Ist jedenfalls bei mir fast immer so. Aber es gibt auch Dinge, die muss man einfach im Voraus planen, zumindest ein bisschen. Renovierungen beispielsweise.

Termin mit dem Maler gemacht, Schränke ausgeräumt und von der Wand gerückt, Sitzgarnitur beiseite geräumt, Teppich zusammengerollt, Tapeten vom Rolladenkasten entfernt, damit Herr Glasperlengarten die nötige Reparatur machen kann – alles fertig, der Maler kann kommen. Aber den hat nun eine fiese Erkältung niedergestreckt… Ist jetzt nicht zu ändern und besser, er bleibt zu Hause und kuriert sich aus, als uns auch noch anzustecken. Dann bleibt das Durcheinander eben noch ein paar Tage länger. „Schöner Wohnen“ mal anders …  🙂 Ehrlich gesagt staune ich ein bisschen über meine Gelassenheit, denn eigentlich hasse ich Durcheinander. Aber vielleicht wird man ja mit zunehmendem Alter doch ein bisschen weiser  😉 … Ich würde ja selbst den Pinsel schwingen, denn ich tapeziere und pinsel gerne, aber die seit längerem schmerzende Schulter hat etwas dagegen und Herr Glasperlengarten ist gesundheitlich auch angeschlagen (deshalb der beauftragte Maler).

Von Gelassenheit kann man bei der Nervensäge und Sir Henry allerdings nicht reden. Die beiden Kater finden die augenblicklichen Umstände in ihrer Residenz eine mittlere Katastrophe. Guckt Euch mal diese vorwurfsvollen Blicke an…

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Ausgeflogen

war ich für eine Woche mit bester Freundin. Mädelswoche im Harz, diesmal im Frühsommer statt im Herbst. Es waren erholsame Tage in einem gerade erst restauriertem ruhigem Ferienhäuschen mitten in einem typischen Harzer Dörfchen. Glück mit dem Wetter hatten wir auch, nur ein einziges Mal kam der Regenschirm zum Einsatz.

Fotografiert habe ich, was Ausflugsziele und touristische Höhepunkte anbelangt, in dieser Woche kaum. Wer will denn auch das dritte Bild vom Rathaus in Wernigerode oder das vierte vom Rathausplatz mit den vielen schönen Fachwerkhäusern in Quedlingburg sehen?

Einen neuen Spot aber gab es, da hätte sich das Fotografieren sicherlich gelohnt: Die vor erst vor kurzem eröffnete Hängebrücke über die Rappbodetalsperre. Mit 483 m ist sie die längste Hängeseilbrücke der Welt. Dass diese Attraktion ein großer Anziehungspunkt sein würde, war uns ja klar, als wir uns am Pfingstmontag auf den Weg machten und durch den idyllischen Harz fuhren. Nichts ließ ahnen, was uns wirklich erwarten und nahezu sprachlos machen würde: Schon einige Kilometer vor der Talsperre kam man fast nur noch im Schritttempo vorwärts, weil rechts uns links die Straße zugeparkt war. Die Autos standen in einer schier endlosen Reihe dicht an dicht, wahre Menschenmassen strömten Richtung Talsperre. Selbst wenn man gewollt hätte, wenden war unmöglich, es gab nur noch eine Richtung, nämlich mitten durch das Chaos. Der einzige öffentliche Parkplatz war hoffnungslos überfüllt, die Menschenreihe an der Kasse war ellenlang. Bei der langsamen Fahrt über die Sperrmauer (auch hier Menschenmassen) konnte man einen kurzen Blick auf die Hängebrücke werfen. Na klar, auch hier Menschen über Menschen. Uns hatte es inzwischen die Sprache verschlagen, und wir hatten nur noch einen einzigen Gedanken: Nichts wie weg hier! Das war gar nicht so einfach, denn auch von der anderen Richtung her stauten sich die PKW kilometerweit am Straßenrand und auch auf der Straße noch bis weit hinter die nächste Straßenkreuzung. Erleichtertes Aufatmen, als wir endlich nach einer gefühlten Ewigkeit dem Gewimmel entronnen waren! Falls Ihr Lust auf idyllische Fotos der Brücke habt, guckt hier. Ich hätte Euch nur Horror-Bilder zeigen können…

 

Himmlische Ruhe empfing uns im Ferienhaus, und nachdem wir uns vom Schock erholt hatten, machten wir uns auf den Weg zu einer Fotosession am Straßenrand. Nein, wir wollten keine Blechlawinen und Menschenmassen fotografieren, sondern diese traumschöne Blütenpracht:

 

 

 

 

Als ich gestern nach Hause kam, traute ich meinen Augen kaum, so sehr war es im Garten und Hochbeet während dieser einen Woche gewachsen. Es gibt also viel zu tun.

Ach ja, bei der kleinen Nervensäge musste ich mich auch erst einmal wieder einschmeicheln. Kleiner Kater war im Gegensatz zu Sir Henry tödlich beleidigt, obwohl Herr Glasperlengarten ja zuhause geblieben war.

 

Aufregende Zeiten

Hallo, ich bin´s, die kleine Nervensäge. Dosine hat gemeint, es wäre an der Zeit und nötig, dass ich mich persönlich zu Wort melde und Euch sage, dass es mir gut geht.

Himmel, war das hier bei uns eine Aufregung! Dabei war ich mal wieder völlig unschuldig, denn ich konnte doch nichts dafür, dass irgendein Depp hinter mir die Haustür im Nachbarhaus ins Schloss fallen ließ und ich somit in der Falle saß.

Meinen Dosenöffnern habe ich vorsichtshalber nichts davon erzählt, welche Angst ich stundenlang ausgestanden habe. Die behaupten zwar das gleiche von sich, aber das kann nicht stimmen, denn warum sollten sie Angst gehabt haben? Ich war doch derjenige, der in der Falle saß und eingesperrt war! Und dann all die fremden Stimmen im Haus und ein kläffender Hund, von dem ich weiß, dass der weder mich noch andere meiner Artgenossen mag! Ich wollte nur noch raus und weg nach Hause. Aber genau das ging nicht. Ich kann ja schon so einiges, aber geschlossene Türe kann selbst ich nicht öffnen. Die erste Zeit war ich ja noch frohen Mutes, dass ich bald wieder zuhause sein würde. Das entpuppte sich allerdings als Wunschdenken. Kater Toni konnte mir auch nicht helfen, denn der saß ja selbst eingesperrt in seiner Wohnung und sein Dosenöffner war weg, der musste arbeiten. Ich zerbrach mir meinen Katerkopf, wie ich nach Hause kommen kann, denn es wurde Zeit für mein Mittagessen und außerdem wußte ich, dass meine Menschen sich bestimmt Sorgen machen würden, wenn ich mich so lange nicht bei ihnen blicken ließ.

Als ich mich gerade dazu entschlossen hatte, mich irgendwo in Nähe der Haustür zu verstecken und in einem unbeobachteten Moment raus zu flitzen, wenn jemand die Tür öffnete, hörte ich schon wieder mir völlig unbekannte Stimmen und lautes Fußgetrappel, das immer näher kam. Schleunigst habe ich mein Heil in der Flucht gesucht und mich unter einem alten Sessel im Keller versteckt. Dort haben mich meine Dosenöffner nach unendlichen Stunden mitten in der Nacht ja dann auch gefunden. Meine Güte war ich froh sie zu sehen! Ich bin sofort auf Dosines Arm gehopst und sie hat mich dann nach Hause getragen. Der sorgenvoll dreinblickende Sir Henry saß schon an der Haustür und man konnte sehen, wie bei meinem Anblick auch ihm ein dicker Stein vom Katerherzchen fiel. So freudig begrüßt hat der mich noch nie! Ich war so erledigt von der ganzen Aufregung und Angst, dass ich nur noch eine Winzigkeit gefressen habe. Dann wollte ich nur noch schlafen. Mitten in der Nacht musste ich unbedingt Dosine wecken, weil ich so froh war, dass ich wieder zu Hause war. Ich hab so laut geschnurrt, bis sie wach wurde und dann musste sie mit mir kuscheln. Ich hatte Glück, dass sie wegen der nächtlichen Weckaktion nicht sauer war, aber sie war ja heilfroh, dass ich wieder da war- von mir gar nicht erst zu reden…

Den ganzen nächsten Tag habe ich keine Pfote vor die Tür gesetzt, der Schreck saß mir noch zu tief in meinen Katerknochen, aber das habe ich gegenüber meinen Dosenöffnern natürlich nicht zugegeben. Die sollten schließlich nicht denken, ihre kleine Nervensäge wäre ein Angsthase. Mein Appetit ist inzwischen auch wieder da. Ich muss jetzt aufhören, muss nämlich unbedingt in die Küche und nachsehen, welch feiner Duft dort aus dem Kochtopf weht! Hunger!

Wenn Sir Henry und ich gespeist haben, gehen wir raus in den Garten, den Frühling genießen. Das solltet Ihr auch tun.

 

 

 

Ein etwas anderer Adventskranz

Nun ist der 1. Advent schon wieder vorüber und nicht mehr lange, dann brennt bereits das zweite Licht.

Wie in den Jahren zuvor habe ich statt eines traditionellen Adventskranzes meinen Kerzenkranz aus Glas zusammen mit anderen weihnachtlichen Sachen auf einem alten Tablett dekoriert. Letztes Jahr hatte ich das Tablett neben dem Kerzenhalter mit viel Bauernsilber dekoriert. Dieses Jahr zieren Engel zusammen mit roten Äpfeln und ein bisschen Grün das adventliche Arrangement.

Vor ein paar Wochen entdeckte ich in einem Schrank im Keller ein altes flaches Silbertablett. Das habe ich mit einer Schneelandschaft, Engeln, Tannenzapfen und Zweigen verziert. Hier fand der zweite Glasleuchter seinen Platz. Der kleinen Nervensäge gefällt es nicht, wie ich das Tablett mit den Beerenzweigen dekoriert habe und deshalb dekoriert er halt desöfteren ein bisschen um…

Ein pikanter Lieferservice

Letzten Sonntag beim Mittagessen hörten wir auf einmal seltsame Geräusche an der Haustür. Sie klangen nach Katze, waren aber auch höchst ungewöhnlich, jedenfalls nicht so, wie Katzen bzw. Kater normalerweise klingen. Herr Glasperlengarten ging zur Tür und rief kurz darauf mit einer nach unterdrücktem Gelächter klingenden Stimme: „Komm mal schnell, hier ist gerade etwas für uns abgegeben worden“… ??? Was denn abgegeben und dann noch am Sonntag? Als ich an der Tür war, haben wir beide lauthals losgeprustet. Draußen saß Sir Henry, dem man in seinem Katergesicht ansah, dass er fast vor Stolz platzen wollte – und dann legte er uns eine Grillwurst vor die Füße …

Natürlich haben wir den Kater in den höchsten Tönen gelobt, aber nicht, weil er offensichtlich auf Beutezug gewesen war, sondern weil er an uns gedacht hatte und für uns sorgen wollte, damit wir nicht verhungern. Seine Art Danke zu sagen dafür, dass wir uns um ihn kümmern und er nun schon seit einigen Jahren ein schönes Zuhause bei uns hat.

Übrigens hat die Nachbarschaft bisher noch keine gegrillte Wurst als verloren gegangen gemeldet  🙂